Ökumenischer Kreuzweg Lübeck 2026 unter dem Motto „Machtspiele“

„Machtspiele“ ist der Titel des 21. Ökumenischen Kreuzwegs in Lübeck. Die Prozession mit Lesungen und Musik findet am Karfreitag, 3. April 2026, statt. Beginn ist um 10 Uhr an St. Jakobi zu Lübeck.

Fünf Stationen mit kurzen Ansprachen

Am Kreuzweg beteiligen sich zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Für die geistlichen Impulse stehen Kirsten Fehrs, Bischöfin des Sprengels Hamburg-Lübeck in der Nordkirche, und Dr. Stefan Heße, Erzbischof des katholischen Erzbistums Hamburg. An den fünf Stationen kommen zudem weitere Stimmen zu Wort: die Landtagsabgeordnete Anette Röttger, Frank-Eckhard Brand, Oberst der Bundeswehr, und die Klimaaktivistin Sophia Marie Pott.
Der Kreuzweg greift aktuelle gesellschaftliche Spannungen und Herausforderungen auf. Pröpstin Petra Kallies erklärt: „In direkten Gesprächen und in den sozialen Netzwerken thematisieren Menschen jeden Alters wachsende Gefühle von Mutlosigkeit und Ohnmacht angesichts politischer Entscheidungen. Es kostet sie momentan sehr viel Kraft, diesen ‚Machtspielen‘ Zuversicht und Hoffnung auf Frieden, auf Klimaschutz, auf ein gutes gesellschaftliches Miteinander entgegenzusetzen.“
Auch Propst Christoph Giering betont die Aktualität des Themas: „Wir werden immer häufiger Zeitzeugen für die Machtspiele der Großen, die ihre Mittel drastisch einsetzen. Der Kreuzweg erinnert uns, dass Jesus seine Macht völlig anders eingesetzt hat: für die Menschen, besonders für alle, die am Rande des Spielfeldes stehen.“

Lübecker Kreuzwegs – Deutschlands erster Kreuzweg

Kirchenhistoriker halten ihn für den ersten deutschen Kreuzweg: Der Weg von der Jakobi-Kirche zum Jerusalemsberg ist mit 1.650 Metern exakt so lang wie die „Via dolorosa“ in Jerusalem.

Diesen Weg soll Jesus nach seiner Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zum Ort der Kreuzigung gegangen sein. Hinrich Konstin war im 15. Jahrhundert ein angesehener Kaufmann und Ratsherr der blühenden Hansestadt Lübeck. Für sein Seelenheil hatte er eine Pilgerreise nach Jerusalem unternommen. Den Lübschen Sagen nach soll er sehr jähzornig gewesen sein und seiner Frau „großes Herzeleid“ angetan haben. Er starb 1482 kinderlos und verfügte in seinem Testament, dass von seinem Vermögen ein Kreuzweg gebaut werden sollte. Noch heute erinnern „Konstinkai“ und „Konstinstraße“ an den Stifter.Der Kreuzweg beginnt an einem Relief der evangelischen Jakobi-Kirche. „Hir beginet de crucedracht Christi bute de borchdare to Jherusale“ (Hier beginnt die Kreuztragung Christi durch das Burgtor zum Jerusalemsberg). Vor den Stadtmauern hatte Konstin den Jerusalemsberg aufschütten lassen. Hier an der Konstinstraße sieht man heute neben dem Brahms-Institut einen rund vier Meter hohen Hügel. Ursprünglich muss er höher gewesen sein, denn die Franzosen hatten während ihrer Belagerung 1813 einen Teil abgetragen. 17 stattliche Eichen umrahmen das Denkmal mit der Kreuzigung Jesu.

Seit Anfang der 2000er Jahre (vermutlich 2003/4) gehen an die 800 Gläubige diesen Kreuzweg wieder regelmäßig an jedem Karfreitag um 10 Uhr.

Text: Ev.- Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg/CJ, Bild: CJ