Wenn die Welt unruhig ist: Lübecker Religionsgemeinden laden zum Friedensgebet ein

„In Lübeck aufeinander zugehen. Gegenseitig Hoffnung schenken.“ Unter diesem Leitgedanken laden die jüdisch-orthodoxe Gemeinde, christliche Kirchen und muslimische Gemeinden am Dienstag, dem 14. April 2026, um 18 Uhr zu einem interreligiösen Friedensgebet auf den Lübecker Marktplatz ein.

Während an vielen Orten der Welt Menschen gegeneinander kämpfen und Unterschiede zu Trennlinien werden, wollen die Beteiligten in Lübeck zeigen, dass gerade im respektvollen Miteinander von Unterschiedlichkeit etwas Verbindendes entstehen kann. Die vergangenen Wochen haben viele Menschen stark belastet. Eine kaum abreißende Nachrichtenflut voller politischer Spannungen hinterlassen das Gefühl von Unsicherheit bis Ohnmacht. „In unseren Gemeinden erleben wir deutlich, dass immer mehr Menschen mit diesen Sorgen zu uns kommen“, erzählt Pastor Andreas Hasse aus der katholischen Pfarrei Zu den Lübecker Märtyrern. „Viele tragen Fragen und Ängste mit sich, die eng mit der aktuellen Wirklichkeit verbunden sind und die sie allein kaum noch bewältigen können.“

Das interreligiöse Friedensgebet versteht sich als offenes Angebot an alle, die in dieser
Situation einen Ort des Innehaltens suchen. Texte aus Tanach, Bibel und Koran werden
gesprochen und laden dazu ein, Frieden auch als innere Haltung wahrzunehmen. Eine
melodische Koranrezitation, bewusste Momente der Stille sowie Segens- und
Bittgebete aus den verschiedenen Glaubensrichtungen schaffen Raum für persönliche
Gedanken und gemeinsames Hoffen. Statt um Abgrenzung oder um theologische
Unterschiede, geht es um die Überzeugung, dass ein respektvolles Miteinander gerade
wegen der Verschiedenheit wichtige Zeichen setzen kann. Eingeladen sind ausdrücklich
alle Menschen, unabhängig von Glauben oder Weltanschauung. Das Friedensgebet
möchte ein sichtbares Zeichen in der Stadt setzen, dass Zusammenhalt möglich ist und
dass Hoffnung dort wächst, wo Menschen einander zuhören und gemeinsam
Verantwortung übernehmen.

Eingeladen wird von einem breiten interreligiösen Zusammenschluss: Dazu gehören die
Jüdische Gemeinde Lübeck, die Alevitische Gemeinde Lübeck e.V., die Ahmadiyya Gemeinde Lübeck, die Freie Evangelische Gemeinde, die Evangelisch-Reformierte Kirche, der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg und die Katholische Pfarrei zu den Lübecker Märtyrern.

Text: CJ; Bild: © Delia Pindaru’s Images